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Utensilien:

Es gibt eine Reihe von Dingen, die packt man sich für eine beliebige Reise ohnehin in das Gepäck. Wäsche, Toilettenutensilien, Adressen von Menschen, denen man eine Karte schicken möchte (oder muß) und weitere Dinge, die jeder aus eigener Erfahrung kennt. Nadel und Faden vergesse ich aber immer.

 

Andere Dinge sind aber nicht selbstverständlich dabei. Einige Utensilien kommen aufgrund persönlicher Erfahrungen und/oder Vorlieben zum Gepäck. Ich werde immer wieder gefragt, welche nicht selbstverständlichen Dinge ich denn so mitnehme. Nun, wenn ich 'on the road again' bin, möchte ich auf folgende Ausrüstungsgegenstände nicht verzichten:

Ich habe immer folgende Messer dabei. Das obere Messer ist mein Thiers (erst in 2004 erstanden), mit einer sehr scharfen, rostfreien Klinge (12C27 Sandvik) mit einem 3 mm breiten Rücken. Das ist mein Messer für das Zubereiten von Mahlzeiten. Ein Thiers ist eine Anschaffung für's Leben, ein ebenso elegantes wie starkes Werkzeug.

Noch wesentlich robuster als das Thiers ist das Arbeitsmesser darunter. Das hat ebenfalls eine rostfreie Klinge, ist sehr scharf und mit dem 3,5 mm breiten Klingenrücken durchaus geeignet, auch mal den Deckel einer Dose aufzuschneiden und aufzuhebeln. Wichtiger ist bei diesem Gerät aber die Tatsache, daß die Klinge nach dem Öffnen feststeht und nur bei gleichzeitigem Betätigen eines entsprechenden Mechanismus eingeklappt werden kann. Das verhindert Unfälle auch bei kräftigerer Beanspruchung.

Das Schweizermesser darunter ist in seiner Art wohl jedem bekannt. Die beiden Klingen halte ich ebenfalls so scharf wie möglich. Aber wichtiger sind mir an diesem Gerät die zusätzlichen Werkzeuge, wie z.B. die feinen Schraubendreher, die mir schon sehr nützlich waren (z.B. beim Reparieren meiner Brille).

Und weil stumpfe Messer schlimmer sind, als gar kein Messer zu haben, muß der Wetzstein natürlich auch immer mit. Nicht auf dem Photo ist der Schärfer von Oehler (www.oehler-shop.de). Das bisher einfachste, zuverlässigste und sicherste Gerät zum Schärfen von Klingen, das ich kennengelernt habe, ist kleiner als das Schweizermesser und findet wirklich überall einen Platz.

Das Schweizermesser würde als Reisebegleiter sicher völlig ausreichen, vorausgesetzt man hält die kleinen Klingen scharf. Aber ich mag eben auch 'große' Taschenmesser...

Was gar nicht fehlen darf sind das Schloß für die Bremsscheibe, ein kleiner Feldstecher (10x25 reichen aus), ein elektronisches Thermometer mit einem externen Sensor, der am Ende eines 2,5 m langen Kabels befestigt ist, und natürlich ein guter Kompaß.

Ich fahre gerne nach Landmarken oder einfach nach der Himmelsrichtung. Wenn die Sonne nicht scheint, ist es schwer, die Himmelsrichtung zu bestimmen.

Und ich weiß gerne, was um mich herum los ist. Das gilt auch für die Temperatur vor dem Zelt, im Zelt, im Bach ...

Was sich mit dem kleinen Feldstecher nicht soweit auflösen läßt, daß es deutlich zu erkennen ist, das ist einfach zu weit weg, um von mir beobachtet zu werden.

Die schönsten Beobachtungen, z.B. von Landschaften und den sich darin bewegenden Menschen und Tieren, macht man nicht vom fahrenden Motorrad aus. Wenn ich meine Dicke aber für eine längere Weile unbeaufsichtigt stehen lasse, dann sichere ich eine der Bremsscheiben am Vorderrad mit dem großen Schloß.

Beim Reisen mit dem Motorrad, wenn man Wind und Wetter ausgesetzt ist, darf man nicht zimperlich sein, aber hygienische Mindeststandards möchte ich schon eingehalten wissen. Moderne Reinigungstücher helfen hier für geringes Geld ganz erheblich. Was man sich als Handwaschlappen kauft, ist aus meiner Sicht nebensächlich. Ich bevorzuge da keine Marke.

 

Neben der Brille und der optisch geschliffenen Sonnenbrille gehört immer eine Ersatzbrille in das Gepäck! Die meisten der europäischen Länder schreiben das sogar vor! Ich bin noch nie nach meiner Reservebrille gefragt worden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, bei Nacht oder im Regen mit der Sonnenbrille zu fahren, nur weil meine 'richtige' Brille defekt und kein Ersatz vorhanden ist.

 

Eine Taschenlampe gehört immer in das Gepäck!

Diese hier ist von der Marke 'einfach aber gut'. Eine LED mit denkbar minimalem Stromverbrauch kann theoretisch (hängt von der Liegezeit der Akkus ab) bis zu 100.000 Stunden leuchten! Der Lichtstrahl ist NICHT geeignet, um Flugzeugen eine Landebahn vorzugaukeln. Wer will das schon. Die 'Photonenpumpe' macht einfach nur ein gutes Licht, bei dem man seinen Weg vom Zelt zur Toilette finden oder im Zelt lesen kann.

Und das hier darf auch nie fehlen!

Ein Sonnenschutzmittel mit dem Lichtschutzfaktor 20 hat sich auch für meine relativ empfindliche (Büromensch) Haut und unter südfranzösischen Bedingungen als ausreichend erwiesen. Meine Frau kauft für uns 'Ladival', weil sich das als besonders verträglich herausgestellt hat.
Und wenn sich am Abend doch von der Sonne gereizte Hautpartien bemerkbar machen (bei mir sind das immer die Handrücken, weil ich meistens ohne Handschuhe fahre), hilft in den meisten Fällen eine 'Apres Soleil' Lotion, das Jucken und Brennen einzudämmen oder ganz abzustellen.

Bei richtigem Sonnenbrand, bei heftigen Reaktionen auf Insektenstiche und auch bei kleineren Hautabschürfungen hilft Soventol. Das ist eine cremige Salbe, die Hydrocortisol enthält und Entzündungen verhindert oder stopt.

Das Aspirin-Derivat gehört natürlich auch in die Reiseapotheke. Wetterumschwünge, häufige, schnelle Wechsel der Höhenlage (sollen vor allem bei Reisen im Gebirge vorkommen), das berühmte Bier zuviel (ich bin bekennender Biertrinker, aber für Wein gilt das natürlich auch) und andere Störungen können Kopfschmerzen verursachen, die einem schnell einen ganzen Urlaubstag vermiesen. Das lasse ich nicht zu!

Mittlerweile sind eine Tube Bephantol-Salbe (leichte Hautverletzungen, leichte Verbrennungen) dazu gekommen, und ein Sprühfläschen mit einem Desinfektionsmittel (Sprühpflaster). Schürfwunden sollen bei Motorradfahrern gelegentlich vorkommen. Leichtere Schürfwunden machen den Arztbesuch nur dann notwendig, wenn sich Entzündungen nicht vermeiden ließen.

Mein Mobiltelephon muß selbstverständlich auch mit.

Aber wehe dem, der das Telephon mitnimmt, und das Ladegerät zuhause läßt. Ich telephoniere täglich mit meiner Frau, schon deshalb, damit sie weiß, wo ich mich gerade herumtreibe und welche Richtung ich am nächsten Tag einzuschlagen gedenke. Gerade wenn man allein unterwegs ist, sollte man diese Kontrollmöglichkeit, die uns die moderne Technik schenkt, nutzen. Dann ist der Akku aber auch schnell mal leer. In zwei Stunden läßt sich der aber in den Sanitäranlagen (da gibt es überall passende Steckdosen) einer beliebigen Campinganlage wieder aufladen.

Mittlerweile habe ich mir einen Zigarettenanzünder an das Motorrad anpfriemeln lassen. Jetzt kann ich das Telephon während der Fahrt laden, mein Navigationsgerät nutzen oder einfach nur Musik hören ;-)

Fest eingestellt sind in dem Telephon die Rufnummer meiner Frau, einschließlich der Vorwahl für Deutschland, die Auslandsrufnummer des ADAC und die Notrufnummern von Polizei und Feuerwehr des Urlaubslandes.

Und selbstverständlich ist der Mitgliedausweis des ADAC immer in der Brieftasche, ebenso wie die grüne Versicherungskarte (Doppelkarte) und die Bestätigung der Krankenkasse (Knappschaft), daß ich auch im Ausland bezüglich Heilversorgung versichert bin.

Und nach den Erfahrungen eines Autounfalls (Auffahrunfall am Zebrastreifen, wirtschaftlicher Totalschaden meines Autos, Gegner erkennt seine Alleinschuld ohne Abstriche an, deutsche Schwester der französischen AXA will schon beim ersten telephonischen Kontakt nahezu jegliche Erstattung ablehnen), habe ich auch die Adresse und Telephonnummer einer Rechtsanwältin mit Zulassung in Frankreich in der Brieftasche.

Akkus gehören auch in das Reisegepäck. Es gibt natürlich auch Menschen, die sich die notwendigen Batterien kaufen und leere Batterien den Karnickeln am Waldrand hinterher werfen. Das sind aber allesamt keine Motorradreisende, oder?!? Ich nehme jedenfalls MEHR als ausreichend viele 2.100 mAH Akkus NiMh mit.

Ich benötige die Akkus vor allem für einen Photoapparat!

 

Gekocht, meist Kaffee, wird auf einem Benzinkocher von Coleman.

Ähnliches soll es auch von einem deutschen Hersteller geben, der für die Bundeswehr produziert. Ich war nie bei der Bundeswehr und kann deshalb diese Aussage nicht bewerten. Ich habe mich aber gegen einen Petroleum- oder Gaskocher entschieden, obwohl der Benzinkocher mit Abstand die anfänglich teuerste Lösung ist. Der Coleman-Kocher hat den entscheidenden Vorteil, daß ich ihn mit dem Benzin aus meinem Motorrad betreiben kann! Der Treibstoff muß unverbleit sein. Gaskocher haben zur Folge, daß man die Kartouschen mitschleppen und geeignet entsorgen muß. Petroleumkocher bedingen, daß man eine zweite Brennstoffsorte mit sich herumschleppt. Das ist mir alles zu aufwendig!

Und wo der Kocher Platz findet, da findet auch ein preiswertes Kochgeschirr aus Aluminium Platz, eine Auswahl verschiedener Tütensuppen (für kalte Nächte oder nasse Tage) und eine Dose mit Cappucino oder einem anderem Instantkaffee.

Ausgesprochen positive Erfahrungen habe ich mit der Firma Camping Gaz (Coleman Deutschland GmbH) direkt gemacht. Der auf dem Photo als messingfarbener 'Bogen' erkennbare Generator ist ein gegen Verunreinigungen empfindliches, dünnes Rohr. Das war an meinem Kocher defekt. Der sogenannte Fachhandel hatte so ein empfindliches Ersatzteil erwartungsgemäß nicht im Lager. Bestellen kann ich mir das dann auch ohne dem 'Fachhandel' zu einem Extrasalär zu verhelfen. Obwohl diese Kocher zur Zeit nicht mehr nachgefragt werden und im neuen Katalog von Campingaz.de gar nicht mehr enthalten sind, hat mich am Telephon ein Mitarbeiter der Firma (Herr Parise !) ausgezeichnet beraten und mir allein auf meine telephonische Anfrage hin zwei dieser Generatoren kurzfristig nachhause geschickt. Die Rechnung kam erst lange nach meinem Urlaub!

Meist vernachlässigt, aber leider wieder 'brandaktuell' ist ein zuverlässiger Impfschutz!

Fast alle unsere westlichen Nachbarn hatten Kolonien in Afrika, Asien und Ozeanien. Von dort holt unsere Nachbarn aktuell Polio wieder ein. Die 'Kinderlähmung', an deren Folgen eben nicht nur Kinder oft tödlich erkrankt sind, gilt in Mitteleuropa seit 2002 ausgerottet. Von wegen ... Die Beamten in der WHO lesen offensichtlich keine europäischen Tageszeitungen :-(

Gleiches gilt für die Diphterie. Diese Erkrankung hat in der Vergangenheit als Seuche zu bestimmten Zeiten mehr Menschen getötet als Grippe- oder Pockenepidemien. Auch die Diphterie galt in Mitteleuropa als besiegt. Die Öffnung der EU gegenüber dem Osten des Kontinents hat in allen mitteleuropäischen Ländern wieder Diphteriefälle aufkommen lassen.

Wer sich gerne und viel unter freiem Himmel aufhält, setzt sich ebenso gerne in eine Wiese, unter einen Baum, auf einen toten Baumstamm - jedenfalls nicht auf ein Sitzmöbel. Und nicht immer ist man dabei vollständig bekleidet. Ich habe dabei schon in Scheiße getreten, gefaßt und mich hineingesetzt. Tetanusbakterien sind aber nahezu überall anzutreffen, vor allem auch in augenscheinlich reinen Böden (anaerobes Bakterium !). Schon kleinste offene Wunden können bei einer Tetanusinfektion eine sehr schlimme Erkrankung zur Folge haben, die im Wundstarrkrampf und mit dem Tod enden kann. Dagegen ist das sprichwörtlich 'gute Heilfleich', das einige Menschen deutlich beobachtbar besitzen, leicht von jedermann 'erwerbbar.

Kombinationimpfungen mit einem Präparat zur Resistenzbildung gegen Polio, Diphterie und Tetanus können mit jedem Hausarzt verabredet und von diesem gespritzt werden. Eine erste Immunisierung und wenige Wochen später eine zweite Spritze - und schon besteht ein erneuter Impfschutz für mindestens 10 Jahre. Die Spritze merkt selbst mein empfindliches Hinterteil nicht. Und das Schönste daran ist, daß die Impfung endlich mal nichts kostet. Der Basisimpfschutz ist - zur Zeit noch - kostenlos!

Also; ab zum Hausarzt...

Friederich Prinz,
Dezember 2006