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C'est fini. Es ist vorbei. Ich bin 'fertig mit Arbeit'.

Genauer: Ich darf nicht mehr arbeiten. Das trifft mich heftig.

Ich bin (im November 2012 fast) 57 Jahre alt. Alle Unsicherheiten junger Menschen habe ich längst abgelegt. Niemand kann meine Aufgaben besser lösen als ich. Nur wenige sind in meinem "Job" ähnlich oder gleich gut. Es gibt wenige Aufgaben, deren Lösung ich mir nicht oder nur unzureichend zutraue. Ich verfüge über ein tiefes technisches Verständnis und über Führungserfahrung vieler Jahre. Auf der Grundlage einer ausgezeichneten Ausbildung und darauf gewachsener Erfahrungen von rund 40 Jahren Arbeitsleben befinde ich mich heute auf dem Höhepunkt meiner Schaffenskraft und Leistungsfähigkeit.

Genau in diesem Augenblick dreht man mir aufgrund politischer Vereinbarungen "das Licht aus". Ich darf nicht mehr arbeiten.

Was mache ich nun mit meinem Wissen, mit meinen Erfahrungen, mit meiner Schaffenskraft? Was mache ich mit dem Leistungswillen, der sich nicht "ausschalten" läßt - schon gar nicht auf politisches Geheiß hin?

Nicht nur am Ende meiner letzten Grubenfahrt (Photo vom 09/11.2012) schaue ich sehr nachdenklich auf den Unsinn, den die Politik seit Jahrzehnten in diesem Land veranstaltet, den nicht nur Männer wie ich tragen müssen und der uns alle gemeinsam im schlimmsten Sinn des Wortes Unsummen kostet.

Wie DUMM ist dieses Land, das laut den Verlust von Fachkräften beweint, innenpolitische Kulturk(r)ämpfe im Streit um "Kinder statt Inder" aufleben läßt und gleichzeitig in meinem Unternehmen seit Jahrzehnten Jahr für Jahr mehrere Tausend Männer in den ungewollten Vorruhestand schickt; mehrere Tausend Männer, die in unserer Branche (Bergbau ist eine weltweit sehr stark wachsende Branche) zu den Besten der Welt gehören?

Nachdenklich bin ich vor allem bezüglich meiner persönlichen Zukunft. Der Steinkohlenbergbau entläßt mich (AT-Angestellter, Führungskraft im mittleren technischen Management des Konzerns) ausreichend versorgt in den Vorruhestand. Ich werde ausreichende Ressourcen haben, zur Pflege bestehender Hobbies und solcher, die ich wieder oder neu aufzunehmen überlege. Langeweile werde ich nicht haben. Von diesem Wort weiß ich ohenhin nur wie man es schreibt.

Aber ich laß Unerledigtes in "meinem" Unternehmen zurück. Ich darf den überaus anspruchsvollen Prozeß des endgültigen Auslaufs nicht mehr weiter begleiten. Ich muß auf etwas verzichten, was in den vergangenen 30 Jahren (Bergbauzugehörigkeit) für mich gut war und mir gut getan hat. Das fällt mir sehr schwer.

Friederich Prinz
November 2012