Besucher seit 02/'15 : 487

Mein Abschiedsessen ...

Kein Gelage, kein "bergmännischer Abend" mit viel zu viel Alkohol und zotigen Sprüchen zur Nacht, keine endlosen Elegien auf Einen der lebt - ich habe eine kleine Gruppe ausgewählter Menschen zu einem abendlichen Abschiedsessen gebeten; ausschließlich Menschen die mir lieb geworden sind, die ich vermissen werde, und denen ich, soweit sie das noch nicht kannten, zum Abschied zeigen wollte, was ich unter einem netten Abend und einem guten Essen verstehe. Und selbstverständlich sind meine Kleeblätter Jürgen und Ralf dabei ...

Bis auf Eine sind alle meiner Einladung gefolgt, teilweise unter großem terminlichen Druck am Ende von Dienstreisen in der Türkei und in Polen.

 

Wenn ich in einer angenehmen Atmosphäre essen möchte, in einem angemessenen, unaufdringlichen Ambiente und bei einem wirklich guten Koch, dann fahre ich nach Borken, wo Ulrich Derijck das Vive la Vie führt und seine Gäste bekocht. Ulrich und ich hatten den Termin schon Monate vorher besprochen und auf die hausinterne Feier des Beaujolais Primeur gelegt, die im Vive la Vie alle Jahre wieder mit gutem Essen, Akkordeon und Freunden begangen wird. 3 Wochen vor meinem Abschied, anläßlich eines "gemütlichen Zusammenseins" mit Motokameraden, haben Ulrich und ich die Speisenfolge des Abends besprochen.

Kleeblätter mit Grubenlampe ...

Jürgen, Ralf und ich waren früh genug in der Brasserie, um in Ruhe ein erstes Bier zu trinken, meine Grubenlampe zu zünden und in aller Ruhe meine Gäste zu erwarten. Ralf war so freundlich, sich mir an diesem Abend als Chauffeur zur Verfügung zu stellen. Das Lokal war schon gut besucht. Eine erwartungsfrohe und ausgelassene Stimmung schwebte bereits im Vive la Vie.

Mit den ersten Gästen (Kinga, Lothar, Mario, Stefan) haben wir das Mahl begonnen. Auf Klaus und kurz darauf Bozena und Raphael brauchten wir nicht lange warten. Eine herrlich komponierte Speisenfolge aus Flammkuchen, Quiches, Garneelen, Karottencremesuppe und anderen der Jahreszeit zugehörigen Köstlichkeiten hat uns gute anderthalb Stunden beschäftigt. Die Küche hat uns von den Flammkuchen mehrfach nachgeliefert. Meine Gäste waren begeistert.

Gute Gespräche zwischen den Gängen, Bier und Wein, Spaß, Musik aus dem Akkordeon; der Abend war schon schön.

Darf ich jetzt die Hauptspeisen auftragen lassen ?

Trotzdem war es irgendwann Zeit für die Gänge der Hauptspeisen.

Die Runde schaut erwartungsvoll.

Fröhliche Gäste, jung und alt tauschen sich aus ...

Lothar, mein alter Kämpe; ihm gefällt, was ich unter Abendessen verstehe.

Kingas Fröhlichkeit und Optimismus werde ich vermissen.
Stefan hört dem alten Fahrsteiger aufmerksam zu.

Nach 4 Stunden Abendessen sind alle Mägen reichlich und gut gefüllt.

Das Dessert läßt trotzdem niemand stehen.

Ein schönes Paar mit Musik ...

Klaus verläßt uns etwas früher. Wir bleiben noch ein wenig. Bozena bittet den Akkordeonspieler, uns das Steigerlied zu spielen. Die erste Strophe können natürlich alle. Auch von einem anderen Tisch im Lokal wird kräftig mitgesungen. Die weiteren Strophen kennen nur noch Ralf und ich. Es ist schön!

Den Aufbruch beginnen wir noch vor Mitternacht. Vom Letzten verabschiede ich mich vor der Brasserie nach Mitternacht. Das war ein schöner Abend, ein gutes Abendessen, eine angenehme Gesellschaft. Im Augenblick ist alles gut. Ralf fährt Jürgen und mich nachhause. So habe ich mir meine Abschiedsfeier in einem kleinen Kreis vorgestellt. Danke an alle die meiner Einladung gefolgt sind!

Ein wenig Wehmut läßt sich nicht verdrängen. Ich werde die jungen Leute nur zufällig und sehr sporadisch wiedersehen, einige sicher gar nicht mehr. So ist das Leben das wir an diesem Abend im Vive la Vie gefeiert haben ! Abschied gibt es immer wieder einmal. Und Abschied tut immer ein wenig weh. Tröstlich ist mir in diesem Augenblick der Gedanke, daß meine Gäste, die mich beruflich geschätzt und geachtet haben, mich nun auch aus dieser, für mich wichtigen und wesentlichen Perspektive kennen.

Zum Leben und seinen Wechselfällen, wozu immer wieder auch der eine oder andere Abschied gehört, sagt ein chinesischer Schriftsteller und "Philosoph", es bestehe aus: ":... Essen und Schlafen, aus freundlichem Begegnen und Abschied, aus Weinen und Lachen und aus einer Reihe kleinerer Ereignisse von der Art, daß man alle vierzehn Tage zum Haareschneiden geht, seine Blumentöpfe begießt und zuguckt, wie der Nachbar von seinem Dach herunter fällt." (Lin Yutang)

In diesem Sinne -

Lebt wohl, ihr Lieben. Ich danke Euch für diesen schönen Abend!

Grüß Gott und Glückauf
Friederich Prinz
November 2012