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Musik ist ... produziert als Eingabe im Google eine Flut von Zitaten mehr oder weniger bekannter Persönlichkeiten von einem chinesischen Kaufmann bis Nietzsche. Jede Aussage trifft irgendwie ein bißchen zu, aber eben nicht voll und ganz.
Für mich ist Musik manchmal eine kleine Ausszeit, manchmal die Welle eines guten Gefühls das mich im Auto über die Landstrasse treibt und manchmal so etwas wie ein Meßwerkzeug, von dem sich ablesen läßt, wie mein Gegenüber gerade 'tickt'. Letzteres hat Seume vor etwa 200 Jahren so zusammengefaßt:

Wo man singet, lass dich ruhig nieder.
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird man nicht beraubt.
Bösewichter haben keine Lieder."



Faun - Diese kalte Nacht - Wahnsinn! Der Song hat mich auf die Pagan Band aufmerksam gemacht. Birgit ist darüber gestolpert. Mich hat es umgehauen. Und dann die anderen Songs ... Kraft, heißes Blut, Leben, Sehnsucht, Erfüllung, Natur, wilde Jagd nach dem Morgen - das trifft mich voll. Hervorragender weiblicher Gesang, mittlalterliche Instrumente aus mehreren Kulturen; die Musik ist Laut und Farbe gleichzeitig. Faun wird mich für eine ganze Weile auf dem Motorrad begleiten!


The Rolling Stones - Waiting on a friend - ein einfacher, alter, ehrlicher, empfindsamer Song; so wie ich selbst. Mick Jagger singt mir mit diesem Song immer wieder aus der Seele. Irgendwann hat man genug von allem, nicht nur von Frauen. Manchmal fühlt man sich einsam, manchmal ist man es, manchmal ist man das mitten unter Menschen. Ich erinnere Zeiten, in denen ich alle Brocken hingeworfen hätte, wenn nicht doch der Freund oder die Freundin rechtzeitig aufgetaucht wäre, wenn es nicht rechtzeitig mitfühlenden Trost, Verständnis und das Versprechen auf Hoffnung gegeben hätte. Waitung on a friend ist ein solches Versprechen. Danke Mick.


Willis - Word Up - die Coverversion eines Songs von Cameo; und ebenso so elektrisierend Hell-Money-O, oder Harvest oder ... Word Up hat mich am Neujahrsmorgen von der Couch geholt. 10 ° C, aber Regen, grau und dunkel, kein Wetter für das Motorrad, keine Lust auf ein Buch, kein Bock auf gar nichts, Faulheit genießen - und dann kommt diese Musik aus dem Arbeitszimmer: Eine Stimme wie von einem gefallenen Engel, klare, einfache Rhythmen, eine ebenso einfache Melodie, akustische Instrumente. Ich bin wach ohne aufgedreht zu sein. Das ist Musik für eine "Party zu zweit..."


Adele - Rolling in the deep - und den Rest der gleichnamigen CD natürlich. Eine tolle Stimme. Und tolle Musik. Manchmal ein bißchen Country, ein bißchen Blues, ein bißchen Jazz - die junge Frau hat's drauf. Ich höre Adele gerne im Auto, hänge meinen Gedanken nach, manchmal Träumen - erlebe mich aber trotzdem nie wirklich abgelenkt vom Straßenverkehr. Adele nimmt mich mit ohne mich zu vereinnahmen. Toll.


Samy Deluxe - Weck mich auf - Herrje - ich mag keinen Rap ! Was hat dieser Lärm mit Musik zu tun; hat mein Vater mich gefragt, wenn ich Jimmi Hendrixs Gitarre auf dem kleinen Monoplattenspieler jaulen lassen habe. Gut, daß ich mich daran erinnern kann. Und besser ist es, daß Birgit mir 'Weck mich auf' vorgespielt hat. Das von Samy Deluxe vorgetragene Lebensgefühl kenne ich gut. Es gibt Tage, da würde ich mich auch am liebsten irgendwie 'abschießen' - oder jemand anderen. Und sie werden mehr, diese Tage, an denen ich den fatalen Eindruck nicht mehr wegdrücke, den Eindruck, daß in diesem unserem Lande (und nicht nur hier) ziemlich Vieles einfach Scheiße läuft.Und dann rapt mir ein ziemlich junger Mensch mein Lebensgefühl um die Ohren. Danke, Samy. Wir helfen uns selbst !


Christoph Weiherer - Scheiße schrein - Es gibt sie, Gott sei es gedankt, immer wieder, die herrlichen Momente in denen ich euphorisch feststelle, daß die Welt gar nicht so schlecht geworden ist wie der hier an der Tastatur sitzende, tendenziell austrocknende Griesgram das oft meint. Das Radio hat mir mit einem Lied aus Christoph Weiherers jüngsten Album - Scheiße schrein - einen solchen Moment geschenkt. Gerade vor der Haustür angekommen und eigentlich wie immer in Eile, bin ich still im Auto sitzen geblieben und habe der leichten und unkapriziösen Gitarre und einem intelligenten Text zugehört. Weiherer nennt sich 'bayrischer Bob Dylon'; nicht ganz zu unrecht. Leute, hört euch den Mann an. Die späten 70er feiern Auferstehung !


Katie Melua - On the road again - Eine tolle Stimme, eine musikalisch sehr vielseitige Künstlerin, wunderbare Musiker im Studio, ein Genuß für die Ohren und die Seele. Katie's Version des alten "Canned Heat" Songs ist intelligent im Text, musikalisch anspruchs- und ausdrucksvoll und läßt mich auf dem Heimweg aus dem Büro vergessen, daß ich mich über die Autofahrer auf der A 42 eigentlich sehr ärgere...


Gomez - Get Miles - Wahnsinn aus längst vergessen geglaubter Zeit. Im Fernsehen macht der geniale Sozialkrüppel Dr. House Selbstversuche mit Medikamenten. Dabei wirft er sich etwas ein, das verdächtig wie Lysergsäure wirkt. Jedenfalls dröhnt ihm eine irre Musik durch den übersäuerten und verko(r)ksten Schädel. Birgit sucht später im Internet nach dieser Musik und findet die englische Band Gomez. Die CD ist bestellt. Bis dahin ersetzt die Hörprobe alle Drogen...


Rosenstolz - Das große Leben - Eine starke Stimme, ein einfacher aber nicht primitiver Text und eine Musik die reinhaut, haben mich am Lied Ich bin ichfasziniert. Birgit hat uns die CD bestellt. Ich mag fast alle Stücke darauf. Die Musik auf dem Album ist meist so unverschnörkelt wie es die Texte sind. Ich finde mich in Anna Errs Gedanken und Aussagen wieder. Es braucht nicht immer den Sprachwitz von Reinhard Mey oder die instrumentale Brillanz von Hannes Wader. Andere Musiker; jüngere Musiker; können auch tolle deutsche Lieder schreiben, spielen und singen.


Annett Louisan - Unausgesprochen - ein herrlicher Abend! Eigentlich wollte ich beim Elektronikdealer ein paar Dinge zum Basteln besorgen. Meine Frau hat nach einer CD von Van Morrison gesucht - und die neue CD von Annett für mich gefunden. 15 wunderbare Lieder, frech verspielte Texte voller Wortwitz und manchmal voll gewollter Disharmonie und Galligkeit. Manchmal gewinnt die Wehmut die Oberhand, manchmal lacht purer Spaß am Leben aus den Liedern. Immer ist Annett kompromißlos ehrlich, herrlich. Manches ist bei Annett sehr weiblich, anderes einfach menschlich. Es ist auch Männern möglich, sich in den unausgesprochenen Liedern wiederzuerkennen. Blues, Jazz, Swing, Beat - musikalisch ist der Bogen so bunt wie Annett, wie das Leben von dem sie singt. Vielleicht ist die verspielte Leichtigkeit, mit der wir uns alle ab und zu lieber mit unseren Problemchen als mit deren Lösungen beschäftigen, bespielhaft für die ganze CD.


Patty Griffin - Not Alone - Dieses Mal war es das Fernsehgerät, das mich auf "eine schöne Musik" aufmerksam gemacht hat. Ich weiß nicht, zu welchem Film der Song lief. Irgendwie sind die zarte Gitarrenmusik und die klare, unverstellte Stimme im Ohr hängen geblieben. Zum Glück gibt es Google, KaZaa und Birgit. Birgit hat Patty Griffin identifiziert und mir den Titel des Songs aus dem Netz besorgt. Erste Hörproben waren schnell gefunden. Mein Interesse an Pattys Musik ist groß. Die starke Stimme trägt eine ebenso starke Lyrik vor. Patty singt (nicht nur) Lieder, in denen sie nicht die heile Welt beschreibt, sondern das, was die Menschen sich und anderen antun. Dieses Leben ist nicht einfach. Manchmal tut es weh.


Turin Brakes - They can't buy the sunshine - Selbstverständlich bin ich wieder im Auto über den Song gestolpert, und dabei gleich über die Zweimannband. Ich habe auf dem Weg zur Arbeit, die erwartete Zeitnot des Tages vorschauend, etwas davon gehört, daß schon wieder Jemandes Kirche bis auf den Grund abgebrannt wurde... Da sangen ein Mann und eine Frau (Quatsch, zwei Männer, aber man muß das wissen) in einem sanften, harmonischen aber eindringlichen Duett eine ebenso einfache wie fesselnde Botschaft. Eine tolle Musik, tolle Texte, tolle Stimmung Christine ist bei Turin Brakes meine Favoritin.


Annett Louisan - bohème - Den Song Das Spiel habe ich, wie so oft, zum ersten Mal im Autoradio gehört. Und ich war wie elektrisiert. Eine Stimme wie ein kleines Mädchen, aber mit dem Timbre einer Frau, ein Text, der einem alternden "echten Mann" ein Breitschwert in den Bauch stößt, weil das Mädchen davon singt, getan, gedacht und gefühlt zu haben wie man uns Männern das nachsagt, und dazu handwerklich erstklassig "gemachte" Musik. Das Debüt-Album "bohème" und seine Lieder, haben gute Aussichten Kult zu werden.


Nelly Furtado - Powerless - Ein Song den ich erstmals im Autoradio gehört habe, auf dem Weg nach Süd-Frankreich, wohin ich unterwegs war, um mein Gepäck aus einem eine Woche vorher verunfallten Auto zu bergen. Powerless - müde, enttäuscht, ratlos - war meine Grundstimmung auf der Route du Soleil. Furtados Song ist mir weiter als nur ins Ohr gegangen. Und eine Woche später hat Birgit Nelly Furtado für mich im Internet ausfindig gemacht. Ich höre gerade andere Songs von ihr. Schön...


Rufus Wainwright - Across the universe - Birgit und ich haben diese Interpretation eines Beatles-Songs im Auto gehört. Wir waren auf dem Rückweg von einer Tagung in Garmisch-Partenkirchen, im April 2002. Wir hatten ein ganzes Wochenende voller netter Menschen, voll gutem Essen und mit viel Spaß hinter uns. Uns ging es gut. Und dann kam dieser "alte" Song, den wir mitsingen konnten, den wir kannten, den wir aber ganz neu "entdecken" durften. Auf der CD zum Soundtrack von "I am Sam" ist dieses Stück unter anderem auch zu finden. Across the universe, mit dieser Musik sehr gerne!


The Be Good Tanyas - Blue Horses - Die "Tanjas" sind drei Frauen, die ihr Debüt-Album - für heutige, hochtechnisierte Verhältnisse - unter denkbar ungünstigsten Umständen in einer Holzhütte ohne Fenster, ohne elektrischen Strom und ohne fließendes Wasser am Stadtrand von Vancouver aufgenommen haben. Das hört man den Songs auf der CD 'Blue Horses'; im positivsten Sinne an! Starke Stimmen, echte Instrumente, von Musikerinnen gespielt, deren Spiel und deren Stimmen man anhört, daß sie ihre Lieder leben. Die galligen Texte sind traurig schön. Die Traditionals werden mit solcher Kraft und Lebensfreude gesungen und gespielt, das mich The Littlest Birds aus dem Schlaf und von der Couch geholt hat. Selten genug, aber da kommt Kunst noch von Können! Hoffentlich finden die Tanjas recht bald ein breiteres Publikum in Europa. Birgit und ich gäben viel dafür, die Band life zu hören.


Jack Johnson - Ein weißer Hawaianer, früher Surfer, Gitarrist (Mein Favorit: Flake, akustische Gitarre), macht einfach gute Musik. Jack Johnson und seine Kumpel spielen und singen mit Spaß. Die Texte sind prima (kaum zu glauben, tief im Bush ;-)). Bei jackjohnsonmusic.com gibt es ausreichend viele Informationen um richtig neugierig zu werden. Musik zum freien Herunterladen steht dort auch zur Verfügung. Johnson ist vielseitig. Rhythmen and Blues, swinging Jazz, einen eignen RAP-Stil...seine Musik paßt in keine Kategorie wirklich hinein. Birgit hat Johnson's Musik empfohlen bekommen. Ich bin davon natürlich nicht verschont geblieben (Hatz auf die Tauschbörsen). Jetzt bestellen wir seine CDs. Und wenn der Bursche "über den Teich" kommt, gehen wir sicher hin...


JET - Vier Australier, die auf Anhieb Altrocker wie die Stones und AC/DC so beeindruckt haben, daß diese Superstars die Jungs spontan in ihre Tourneeprogramme in Australien aufgenommen haben. Jet tönen in einem Bogen von Beat bis Rock, mal meint man die Beatles herauszuhören, mal klingen die Stones durch, mal glaubt man, Unbekanntes von AC/DC zu hören. Jet macht großartige Musik, gutes Handwerk mit Herz und Hirn. Es macht Spaß, den Aussis zuzuhören. Und ihr Debütalbum 'Get Born' kann man bereits in Deutschland kaufen. WWW.JETTHEBAND.COM hat mehr Infos... Just come around


Leo Kottke ...ist nicht mehr so ganz neu - und bei Liebhabern meisterhafter Gittarensolos seit mehr als 20 Jahren bestens bekannt. Ich habe ihn für mich wiederentdeckt - und mir eine Liste rein instrumentaler Stücke angelegt. Kottkes Version von In the Arms of Mary läßt mich mit zuverlässiger Regelmäßigkeit meine aktuelle Arbeit am PC zur Seite legen; und vergessen. Viele gibt es nicht, die es mit der Gitarre zu solch einer Meisterschaft bringen wie Kottke. Das einzelne Instrument zweistimmig zu spielen, ist für ihn selbstverständlich. In vielen Stücken geht auch mehr. Das ist Musikgenuß ohne Lärm. Daran hätte auch Wilhelm Busch noch Freude gehabt ;-)


Fink - eine etwas "schräge" Band aus Hamburg; schon seit einigen Jahren musikalisch tätig; singt deutschsprachig; macht Musik, die in keine Schublade paßt - jedenfalls nicht wirklich. Im Internet stehen viele Berichte über FINK. Fast alle versuchen, die Band und ihre Musik irgendwo einzuordnen. Irgendwie haben alle auch Recht - jedenfalls mindestens ein Bißchen. Mir gefällt die Musik auch ohne Schubladen, wie im Lied über die Fliegen.

Friederich Prinz